Anfang Zweitausend
Ich komme in den Altbau herein, laufe vier Stockwerke hoch, trete durch die Tür und befinde mich in einem verkramten Wohnungsflur. Es riecht leicht nach Räucherstäbchen und Waschpulver, ein Geruch, den ich unter Studenten in den Mittzwanzigern stets wiedererkennen würde. Rechts, am Ende des Flurs, ist das Arbeitszimmer der Beiden. Gleich um die Ecke steht die riesige Hifi-Anlage, bestehend aus vielen Einzelmodulen inklusive Mididiskgerät und Plattenspieler. Darauf stapeln sich die CDs, auf denen sich wiederum deutlich der Staub abzeichnet. In der Ecke lehnt ein Mountainbike mit dreckigen Reifen an der Wand, gegenüber steht in einem großen Ikea-Drahtregal ganz unten ein Fernseher. Die Regale darüber sind wahlweise mit alten Büchern oder stapelweise Unterlagen vollgestopft, deren Ordnung eindeutig im Chaos liegt. Neben der Fensterfront ist eine Balkontür zu einem dieser tristen kleinen Betonbalkone mit vertrockneten Kübelpflanzen, auf denen man nichtmal richtig frühstücken kann oder will. Auf dem Massivholzschreibtisch, voll mit noch mehr Unterlagen und Studienzeug, steht das IBM-Thinkpad mit 65k-Internetanschluss. Gut sichtbar läuft Napster im Vordergrund, lädt sich einzeln Songs, Stück für Stück. Ich bekomme gezeigt, was alles auf der Festplatte ist und was da noch im Internet darauf wartet, heruntergeladen zu werden. Aus Interesse suche ich nach “Britney Spears” und bekomme am Ende den ersten Titel, den ich von Placebo je gehört habe, vorgespielt. Ich verstehe kein Wort, kann nicht mal den Bandnamen richtig aussprechen, aber es gefällt mir.
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